Schreibübung: Freuden – Teil 5

Veröffentlicht von Elitsa am

„In zwanzig Jahren wirst du dich mehr
über Dinge ärgern, die du nicht getan 
hast, als über die, die du getan hast. 
Also, wirf die Leinen und segle fort
aus deinem sicheren Hafen.
Fange den Wind in deinen Segeln.
Forsche. Träume. Entdecke.“


Mark Twain

Am 1. Februar habe ich den letzten, geplanten Teil der Schreibübung zum Thema Freuden veröffentlich. Aber jetzt kommt doch noch ein letzterer Teil.

Einmalige und erfüllende Momente, bereichernde Begegnungen, unvergessliche Urlaubstage, ausgeglichene Wochenenden, besondere Tage passieren oft spontan. Sicher hast Du einige Beispiele aus Deinem Leben, die diese Aussage bekräftigen, so auch ich. Nur dass ich seit einigen Jahren auch eine andere Erfahrung mache – je älter ich werde, desto schwieriger ist es für die Spontanität durch die Schichten der zahlreichen Verantwortungen und des Alltags zu spriessen. Also möchte ich ihr dabei helfen, sie unterstützen und die Freuden in meinem Leben aktiver angehen. Für reine Spontanität bleibt ja trotzdem Platz.

Übung

Finde einen ruhigen Ort, nimm Dir die Zeit und etwas zum Schreiben und geniesse es, wenn Deine innere Stimmen schriftlich zu Wort kommen. 

  • Wenn Du die Übungen von Teil 1 bis 4 gemacht hast, dann lese diese durch. Während Du liest oder auch danach, kannst Du Gedanken, Empfindungen und/oder neue Ideen notieren. 

„Das Heute geht gespeist durch das Gestern in das Morgen.“

Bertold Brecht
  • Welche Freuden des Alltags möchtest Du ab morgen gerne erleben und deswegen in Dein Leben integrieren? Schreibe alle Ideen auf, die Dir dabei einfallen, auch die „Banalitäten“. 

„Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nicht wissen, wann mein Herz da sein soll … Es muss feste Bräuche geben.“

Antoine de Saint Exupéry

Ich liebe die Blumen, alle Blumen! Gerade jetzt liebe ich besonders die Frühlingsblumen. Ich beginne schon im Januar mich darauf zu freuen. Als Floristenkind verbrachte ich so viele Stunden im Geschäft meiner Eltern oder auf dem Land. Ich habe beim säen, jäten, giessen, schneiden, transportieren, Sträusse binden und verkaufen, mitgeholfen. Eine meiner Lieblingserinnerung aus der Kindheit ist, wie ich an meinem sechsten Geburtstag vor unserem grossen brauen Spiegel mit über 40 Narzissen stehe – ein Geschenk von meinem Opa direkt aus dem Blumenwinterhaus – und mich einfach freue. Das Studium war eine lange Durststrecke für mich. Ich konnte es mir einfach nicht leisten Schnittblumen zu kaufen. Und später kaufte ich alle zwei drei Wochen mal einen Strauss und so waren Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit ihren besonderen Blumen schnell vorbei. Am Ende ärgerte ich mich darüber, dass ich mir nicht öfters die Freude der Saisonblumen gegönnt habe. Dieses Jahr aber begann alles anders! Unsere Tochter ist die Tochter von, wie schon vorher erwähnt, einem Floristenkind. Als sie 11 Monate alt war, habe ich einmal an den Blümchen in einem Ihrer Babybücher gerochen und monatelang hat sie das auch gemacht, und später wollte sie an allen Blümchen draussen riechen. Aber dass sie auch zu Hause in einer Vase sein können, das kam für sie als neue bewusste Erfahrung erst vor einigen Monaten dazu. Unsere Tochter geht mit meinem Mann regelmässig den Grosseinkauf erledigen, während ich unser Zuhause auf Vordermann bringe. Und so kamen sie einmal Anfang Februar mit Tulpen nach Hause. Zwei kleine Händchen streckten mir in Papier gewickelten Tulpen entgegen, begleitet von einem prüfenden Blick. Und ich freute mich, ich freute mich sehr! In den folgenden Wochen waren die „Pulpen“ Gesprächsthema Nummer eins. Beim Frühstücken, beim Znüni, beim Mittagessen, beim Zvieri, beim Abendessen, beim Spielen um den Tisch hielt sie immer wieder inne und sagte oft: „Mama, Papa, Ali, Pulpen.“ Sie freut sich so sehr, ich freue mich so sehr, mein Mann kauft seitdem jede Woche Frühlingsblumen. Und ich hoffe, dass Papa und Ali dann beim Einkaufen auch mit Pfingstrosen und dann mit Sonnenblumen und später mit Chrysanthemen nach Hause kommen. Heute fuhren wir mit dem Dreirad zum Spielplatz, sie sah die „Puuulpen“ überall und ich musste deren Farbe benennen…

Überlassen wir die Freude nicht dem Zufall! Sie ist die Summe der kleinen Alltagsfreuden, die wir bewusst und aktiv in unser Leben integrieren können.

  • Welche Freuden möchtest Du innerhalb Deiner normalen Woche hinzufügen? 
  • Gibt es solche Freuden, die Du in einem normalen Monat noch dazu planen möchtest?

Seit dem ich 16 Jahre alt bin, lege ich mich am 31. Dezember kurz bevor Gäste kommen oder ich (heute wir) aus dem Haus zum Feiern gehen, auf den Boden, schalte alle Lämpchen ein und höre Beethovens Mondscheinsonate. In Gedanken gehe ich Monat für Monat des bald vergangenen Jahres durch, danke Gott für Seine Gegenwart, Seine Gnade, Seine Liebe und erfreue mich noch einmal einzelner Momente.

  • Stell Dir vor, es ist der 31. Dezember 2019 … Ein paar Stunden trennen Dich vom neuen Jahr… Du blickst zurück auf das bald vergangene Jahr. Welche Freuden dieses Jahres hast Du neu dazu genommen?
  • Gehe deine Texte durch, picke die Ideen aus und konkretisiere sie möglichst präzise. Trage anschliessend die neuen Freuden in deinen Kalender ein. Wenn sie es einmal dorthin geschafft haben, ist der grosse Sprung gemacht. Danach kannst Du sie optimieren, anders platzieren etc. 

Freue Dich!


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