Bravo!

Veröffentlicht von Elitsa am

„Bravooo, Mama“, sagt zu mir meine zwei Jährige Tochter als ich heute morgen aus der Badewanne aussteige, klatscht in die Hände und strahlt mich an. „Ja, hat die Mama etwas gut gemacht?“, frage ich sie. Als Antwort kommt nur ein Wort zurück: „Dusche“. Sie hat mich gelobt. Aus einer Badewanne auszusteigen, braucht es schon gut entwickelten motorischen Fähigkeiten 🙂 Mir wird es warm ums Herz.

An manch anderen Tagen begleitet mich ein diffuses Gefühl der Unzufriedenheit. Und weil mich dieses Gefühl daran hindert, den Alltag zu geniessen, frage ich mich, warum ich denn so drauf bin. Warum bin ich so drauf? Keine Antwort. Bis ich der per Zufall auf die Schliche gekommen bin. Mein Mann schickt mir eine schöne Nachricht und die Unzufriedenheit wird um einigen Nuancen heller. Eine Freundin schreibt mir, dass sie einen kleinen Tipp von mir beherzigt hat, bedankt sich, dass jetzt etwas super klappt und ich fühle mich gleich auch besser. Es gibt auch Tage, da passiert es, dass mich jemand für etwas lobt und ich spüre, wie meine Körperhaltung ganz ohne physiotherapeutischen Behandlungen um einiges aufrechter wird. Das ist es also. Ich möchte gesehen werden. Genau wie ein Kind, das Verstecken spielt und ganz aufgeregt und glücklich ist, wenn es entdeckt und wahrgenommen wird. Und wenn mir jemand sagt, dass ich etwas gut gemacht habe oder etwas gut kann, dann fühle ich mich zufrieden und beflügelt. Solche „Entdeckungen“ und Würdigungen meiner Werte, Fähigkeiten, Fertigkeiten etc. zu erleben ist motivierend, aufbauend, auch einfach schön. Wenn mich jemand wertschätzt, mir Komplimente macht, zufrieden mit mir ist, mir sagt, was ich gut mache und gut kann, mich dafür lobt, was ich erreicht habe, dann hat das positive Wirkungen auf meine Selbstakzeptanz und auf mein Selbstvertrauen. Solche Geschenke sind kostbar. Ich habe eine Schatzkiste und darin sammle ich Karten, die mir im Laufe der Jahren geschickt wurden, Briefe, voller Liebe, ausgedruckte Emails. Wertvolle Geschenke, die mein Ich aus einer anderen, in diesem Fall wertschätzenden Perspektive zeigen. Das gesehen werden, brauchen wir. Gott hat uns von Anfang an zu zweit gemacht. „Der Mensch wird am Du zum Ich“, schlussfolgert auch der Religionsphilosoph Martin Buber.

Der Mensch wird am Du zum Ich

Martin Buber

Aber meine Gedanken gehen noch weiter. Manchmal sind wir so sehr darauf bedacht, dass wir von einem Du gesehen werden, dass wir permanent am Limit unserer Energie und Kraft leben. Wir zahlen teuer, um entdeckt und gesehen zu werden. Möchte ich das? Ich nicht. Und Du? Auch nicht? Na dann, sind wir schon mal zwei und es lohnt sich eine Übung zu diesem Thema zu schreiben 🙂

„Schliesslich betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte, und es war sehr gut!“

1 Mose 1, 31

Während der Schöpfung betrachtete Gott sein Werk und würdigte es. Dieser Bibeltext inspirierte mich zu der aktuellen Übung.

Übung/Rezept für mehr Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz

Nimm Dir 12 Wochen lang jedes Wochenende 15 Minuten Zeit und schreibe auf, was Du in dieser Woche gut gedacht, gesagt, geplant, gemacht hast. Wenn Du in dieser aktuellen Woche über die Du gerade schreibst, etwas an Dir gezielt verändert oder verbessert hast, wenn Du anders reagiert hast als gewohnt, wenn Du Dich als schick, frisch, ausgeruht, mutig, tapfer, kreativ erlebt hast, dann schreibe Dir Anerkennungssätze dafür auf. Nimm Dich ernst. Erfreue Dich regelmässig an dem, wer Du bist, was Du kannst und was Du machst. Die gelegentlichen Geschenke von einem Du werden immer noch Freude machen 🙂


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