Angst

Veröffentlicht von Elitsa am

Angst zu haben ist menschlich, ist normal. Ab und zu mit Angst zu reagieren, schützt mich und bereitet mich vor, hilft mir meine Kräfte zu mobilisieren, wenn gefährliche Situationen im Alltag auf mich zukommen. Das ist die gesunde Variante der Angst. Schwierig wird es für mich, wenn die Angst mein ständiger Begleiter wird, meine Kreativität, Fantasie und Denkvermögen okkupiert, diese sogar gegen mich verwendet, meine Seele und Körper krankmacht. 

Trotzdem kann man sich daraus befreien, wenn man eine tiefere Einsicht in das eigene Problem gewinnt und Schritt für Schritt sein Denken verändert. Denn dadurch können sich die Reaktionen verändern und sich die biochemischen Prozesse langfristig umprogrammieren lassen. Und das ist absolut möglich und machbar.

Die „Was-wenn-Gedanken“

Kennst Du die „Was – wenn – Gedanken“?„Was, wenn mich alle auslachen“, „Was, wenn ich keine Luft mehr kriege“, „Was, wenn sie beleidigt ist“, „Was, wenn er mich nicht mehr liebt“, „Was, wenn ich sehr krank werde“, „Was, wenn ich gekündigt werde“, „Was, wenn sie mit mir nicht zufrieden sind“ usw. 

Aus meiner Kindheit und Jugendzeit kenne ich solche Gedanken. Auch persönlich neige ich eher dazu, mir mehr Sorgen zu machen, als es gesund wäre, mir die Zukunft eher schwarz zu malen. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema brachte mich zu der Einsicht, dass ich mir selbst das Leben schwermache. Da packte mich der Wunsch nach einer inneren Veränderung und ich habe einen entsprechenden Entschluss gefasst: Mich andauernd zu sorgen, täglich diffuse Ängste mit undefinierbarer Herkunft zu spüren, raubt mir viel zu viel Energie und Kreativität, die ich für schöne Erfahrungen einsetzen möchte. Ich will die „Was – wenn – Gedanken“ rechtzeitig stoppen können und aktiv nach Lösungen suchen, wenn es um wirkliche Probleme geht.Seit diesem Entschluss sind bereits drei Jahre vergangen. Heute bemerke ich diese „Was – wenn – Gedanken“ schneller, kann sie besser stoppen, bevor sie mir die kreative Kraft aussaugen, die Stimmung verderben und mir kurze Nächte bescheren. 

Die Zielrichtung

„Man soll ein Mensch sein, soll sich dem Leben nicht entziehen, sondern es mitmachen in allem, was es mit sich bringt“

Thomas Mann

Dieses Zitat von Thomas Mann habe ich ein wenig angepasst und als Leitsatz für mich zum Thema Angst ausgewählt: „Ich möchte eine Frau sein, die sich dem Leben nicht entzieht, sondern es mitmacht in allem, was es mit sich bringt.“

Der Glaubensaspekt

„Egal, welche Schwierigkeiten das Leben für mich noch auf Lager hat, ich kann für mich selbst sorgen“, schreibt Lucinda Bassett in ihrem Buch „Angstfrei Leben. Das erfolgreiche Selbsthilfeprogramm gegen Stress und Panik“. Ein lesenswertes Buch, wenn Dich das Thema Angst beschäftigt. Diesen Satz – an sich logisch nachvollziehbar – habe ich mir zu eigen gemacht. Und da er mir noch nicht eine vollkommene Zuversicht schenkte, fügte ich hinzu, „denn du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand.“ Mit diesem entscheidenden Zusatz bekommt der Satz ein Fundament, das mich trägt. 

„Egal, welche Schwierigkeiten das Leben für mich noch auf Lager hat, ich kann für mich selbst sorgen, denn ich kann nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand“. 

Es folgt eine konkrete Übung, inspiriert durch das Buch von Lucinda Bassett. 

Die Übung

Nimm ein kleines Notizheft, das Du immer bei Dir haben kannst. Schreibe darin jeden einzelnen negativen Gedanken auf, der Dir durch den Kopf geht und dir die Ruhe raubt. Schreibe die Gedanken auf, so schnell es Dir möglich ist. Schau Dir die Angstgedanken an und überlege Dir kurz, ob sie Dich weiterbringen. Wenn ja, dann ist es sinnvoll dich damit auseinanderzusetzen, in dem Du Dir zu einer bestimmten Zeit ganz bewusst mehr Gedanken machst und Dir eine passende Lösung überlegst und/oder mit jemanden darüber redest. Wenn Du aber merkst, dass das nur eine grundlose Sorge ist, dann schreibe dazu einen oder mehrere Gegengedanken – einen Satz oder mehrere, die realistisch sind.

Beispiel aus einem Beratungsgespräch, mit der Erlaubnis diesen konkreten Gedankengang hier zu veröffentlichen: 

  1. Der negative Gedanke: „Ich werde für immer alleine bleiben.“ 
  2. Kurz zuordnen, ob es eine begründete Angst ist: Klarer Fall. Grundlose Sorge, die mir die Kraft nimmt. 
  3. Gegengedanke: „Wirklich für immer? Ich bin zwar aktuell Single, aber ob es für immer sein wird, das kann ich jetzt nicht sagen, ich bin keine Hellseherin. Ich gebe zurzeit mein Bestes. Ich sorge für mich und meinen Körper. Wenn ich im Spiegel schaue, dann sehe ich eine durchaus sympathische Frau. Ich bewege mich beruflich und in der Freizeit regelmässig unter Menschen, so dass ich jederzeit jemanden kennenlernen kann.“

Wenn Du Fragen zu dieser Übung hast, dann kannst Du mich gerne kontaktieren. 

Mein Wunsch für Dich

Halte weiterhin Ausschau nach unbegründeten und krankmachenden Sorgen und entwaffne sie. Gehe so oft wie möglich auf diesem neuen Pfad. Je öfter Du die sorgenreichen Gedanken schriftlich stoppst, desto schneller entwickelt sich der Pfad zu einer Gasse, dann zu einer Strasse und ja, irgendwann auch zu einer deutschen Autobahn. Die Gedanken kommen dann und du verwirfst sie blitzschnell und gekonnt mit einem schlagartigen Kommentar, auch ohne zu schreiben.  

Wenn Du gläubig bist, dann mache den Versuch und gehe mit Deinen Sorgen und Ängsten, begründet oder auch nicht, erstmals zu Gott, erzähle sie ihm.  Bitte und empfange Ruhe, Frieden, Kraft, Mut und Lösungen. Denn „es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last mit sich bringt“ (Matthäus 6,34 NGÜ)


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