Alles hat seine Zeit

Veröffentlicht von Elitsa am

Von wegen „wenn man es wirklich will, dann findet man Zeit und Möglichkeit dafür“.  

Ich möchte ziemlich viele Sachen, wichtige Sachen. Und bei manchen ist es absolut unmöglich sie gleichzeitig mit anderen Prioritäten zu (er)leben. Und so kreisen sie mit mal leiser, mal lauter Stimme immer wieder in meinem Kopf. Oft beginnen sie ihre Runden zu drehen, wenn ich ganz zufrieden mit meinem Leben bin und sorgen dafür, dass ich entweder mit Sehnsucht, die weh tut, zu kämpfen habe oder mich überfordern, weil ich „das und das und ja, auch noch das machen müsste.“ Mit einer Klientin letzte Woche ging es auch um dieses Thema. Seit langer Zeit kreisen bestimmte du-musst-Gedanken und aber-ich-möchte-doch-so-gerne-Sätze in ihrem Kopf und machen sie unglücklich. Geht es Dir auch so? Und wenn ja, stört Dich das? Mich schon. Die junge Frau auch. Können wir effektiv etwas dagegen unternehmen? 

Im Beratungsgespräch ist mir spontan eine Übung eingefallen, die uns unterstützen kann, bewusst so zu leben, wie wir leben, besser und schneller Nein zu sagen, mit weniger Druck zu leben und mehr im Hier und Jetzt zu verweilen.

Nimm ein Blatt Papier und notiere ALLES, was Du aktuell gerne machen und realisieren möchtest, dafür aber keine Zeit bleibt. Je konkreter Du die Sachen benennst, desto besser. 

Gehe Deine Liste durch mit der Frage: „Was davon, lässt sich in meinem aktuellen Leben und in den 168 Stunden einer Woche realistisch integrieren?“ Plane, organisiere und streiche, alles, was du in einer Woche tatsächlich unterbringen kannst aus der Liste. 

Und dann… 

Kennst Du diesen Text aus der Bibel? Früher hat er mich eher traurig gestimmt, jetzt empfinde ich ihn als tröstlich und beruhigend:

Prediger 3,1-8„Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit: Zeit fürs Gebären und Zeit fürs Sterben, Zeit fürs Pflanzen und Zeit fürs Ausreißen des Gepflanzten, Zeit fürs Töten und Zeit fürs Heilen, Zeit fürs Abbrechen und Zeit fürs Bauen, Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen, Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen, Zeit fürs Steinewerfen und Zeit fürs Steinesammeln, Zeit fürs Umarmen und Zeit fürs sich Fernhalten vom Umarmen, Zeit fürs Suchen und Zeit fürs Verlieren, Zeit fürs Aufbewahren und Zeit fürs Wegwerfen, Zeit fürs Zerreißen und Zeit fürs Zusammennähen, Zeit fürs Schweigen und Zeit fürs Reden, Zeit fürs Lieben und Zeit fürs Hassen, Zeit für Krieg und Zeit für Frieden.“ 

… Und dann schreibe deinen eigenen Text im Stil von Prediger 3.1-…

„Für alles in meinem Leben gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit: Zeit für …“ Schreibe die Sachen auf, die Du aktuell lebst und Dir die Zeit füllen und diese, die Du gerne leben möchtest, dazu gerade aber nicht in der Lage bist. 

Hier geht es nicht um ein billiges Vertrösten auf einem späteren, undefinierbaren Zeitpunkt. Es ist viel mehr eine Haltung mit der Du Deine Wünsche und Träume ernst nimmst, die du gerade, aus welchem Grund auch immer, nicht leben kannst.

Deinen ganz persönlichen Predigertext kannst Du Dir immer wieder durchlesen, um neuen Mut, frische Hoffnung, Trost und Entscheidungsfreude zu tanken. 


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