Wie gehe ich mit Problemen um?

Veröffentlicht von Ich schreibe mich frei am

Wie gehst du mit der aktuellen Situation um? Welches sind deine persönlichen Herausforderungen und Probleme in dieser Corona-Zeit? Welche Möglichkeiten hast du diese Probleme zu minimieren oder zu mildern? Beschreibe was du bereits ausprobiert hast. Und vielleicht fallend Dir beim Schreiben neue Handlungsalternativen ein?

Eine Klientin schreibt:

„Ich muss ehrlich sagen, dass ich jetzt die Corona Situation sehr gut erlebe.

Ganz am Anfang war ich natürlich wie die meisten verzweifelt; habe jeden Morgen im Radio auf dem Weg zur Arbeit die Nachrichten verfolgt und habe mir viele Gedanken gemacht.

Habe gleichzeitig verschiedene Videos angeschaut von Virologen und Spezialisten, die über die Gefährlichkeit des Virus gesprochen haben. Meine Intuition sagte mir, dass es hinter dieser Geschichte etwas anderes steckte, die mehr mit der Politik und der Wirtschaft zu tun hatte als mit einer Grippe.

Deswegen habe ich nie die Angst der Ansteckung erlebt.

Wovon ich Angst hatte, war das ich meine Freiheit verlieren könnte.

Wovor ich Angst hatte war, dass ich meine Freiheit verlieren könnte: Nicht mehr im Wald spazieren zu gehen, nicht mehr die Sonne zu spüren, nicht mehr an der frischen Luft zu sein und die Düfte der Natur zu riechen, nicht mehr meinen Körper im freien bewegen zu können …

Das hat mir sofort eine schlechte Aussicht vor den Augen präsentiert. Ich dachte, dass ich es nicht ertragen könnte. Nicht mehr im Wald spazieren zu gehen, nicht mehr die Sonne zu spüren, nicht mehr die frische Luft und die dufte der Natur zu riechen, nicht mehr mein Körper im freien bewegen zu können… Nicht mehr in mein Land fahren dürfen, meine Verwandte und Kollegen nicht mehr sehen können, sie nicht mehr umarmen und nicht mehr zusammen Malzeiten geniessen können. Nicht mehr mit meinem Mann zusammen auswärts tanzen können. Auch mein Vorhaben, die aktuelle Arbeit zu wechseln, war plötzlich wie eine Seifenblase geplatzt.

Die Ideen, die ich hatte, Vorträge für meine Nachbarinnen zu organisieren, waren plötzlich alle gestrichen. Wo hätte ich dann den freien Raum für meine Träume und Aktivitäten..?

Alle dunkelsten Szenarien kamen mir in den Sinn. Die kleine Hoffnung, die sich vor kurzem angezündet hatte, war plötzlich nicht mehr zu sehen. Diese kleine Flamme brannte nicht mehr.

Dieser emotionale Zustand war so schwer zu ertragen, dass ich sofort zu Gott im Gebet ging.

Es wurde mir klar, dass wenn meine Welt zerbricht, dann wird die Existenz von Gott plötzlich die einzig wahre Realität, das einzige was wirklich zählt. Ich konnte wie auf einem Bild sehen, wie die Welt mit seinen Chimären, wie ein Vorhang am Boden fiel und das echte Leben, in seinem glänzenden Licht erschien. Diese innere Vision dauerte nur einige Sekunden, aber sie hat meine Sichtweise von der ganzen Situation geändert.

Ich habe mal eine echte Geschichte über eine arabische Prinzessin gelesen. Ihr Vater verordnete, dass nach seinem Tod die ganze Familie für 10 Jahre gesperrt sein musste. Sie erlebte Hungersnot, viele Schwierigkeiten, Zweifel, Ängste, aber sie verlor nie die Hoffnung eines Tages wieder frei zu werden. Und das geschah auch.

Oder Anne Frank, die sich an ihren letzten Tage in einem kleinen Raum verstecken musste. Sie wurde dann verhaftet und starb. Davor hat sie viel geschrieben und ihre Erfahrungen hinterlassen. Sehr wahrscheinlich war es ihr nicht bewusst, dass diese Schriften eine Ermutigung für andere sein werden. Ich denke sie hat geschrieben, um ihre Ängste loszuwerden und ihre Gedanken zu ordnen. Ich sehe ihr Schreiben als ein schriftliches Gebet, ein stilles Schreien an Gott, der ihre emotionale und psychische Gesundheit bewahren hat. Wenn man die physische Freiheit verliert, kann man nur auf die geistige zählen. Niemand darf unsere Gedanken kontrollieren oder gefangen nehmen. Daran glaube ich fest, aber ich weiss selbst wie schwierig es ist, sich nicht von den Umständen kontrollieren zu lassen.

Ende Februar wurde in Italien das Ausgangsverbot eine Realität. Niemand konnte die Wohnung verlassen ohne eine schriftliche Bewilligung.

Mir wurde es ernst. Es wird konkret: wir werden all unsere Rechte im Namen einer hypothetischen Ansteckung verlieren. Ich konnte es kaum glauben.

Meine erste Strategie, wenn ich vor einem Problem stehe, ist zu ignorieren. Das ist offensichtlich keine gute Methode. Das Problem bleibt, aber ich nehme es nicht war. Ich lösche seine Existenz aus.

Die zweite Strategie ist eine strenge Planung zu verfolgen – ich mache mir einen fast militärischen Plan. Das kommt mir sehr familiär vor. Strenge Disziplin, kein Vergnügen, keine Pause bis man das Zeil erreicht. So erstellte ich einen Tagesplan, der mich und meine Tochter beschäftigen sollte. Wir sollten am Ende des Tages etwas konkretes erreicht haben, etwas produziert, etwas gemacht haben. Das ist nicht schlecht. Die Disziplin bring einen sicher ein Stück weiter, aber die unter den Druck der Produktivität stirbt die Freude. Wir haben viel gemacht, aber ohne Freude und der Sinn war auch nicht da.

Ich habe realisiert, dass ich regelmässig dieses Muster verwende. Es hilft mir Ordnung in meine Gedanken und in meinem Alltag zu bringen, aber es ist geistig nicht erfüllend. Meine Seele bleibt durstig nach Sinn! Die letzte strenge Zeit, die ich unter meinem eigenen General erlebt habe, hat mich über meine Grenzen gebracht. Nachher folgte ein grosser Sturz.

Dieser Zusammenbruch hat mir aber den dritten Weg gezeigt.

Der dritte Weg ist sich Gott zu wenden. Diese Lösung ist die beste die ich kenne und je erlebt habe. Warum ich sie nur als dritte wähle? Weil ich zu stolz dafür bin. Weil ich denke, dass ich Gott nach so vielen Jahren christliches Leben nicht mehr so dringend brauche!

Gott, in seiner Liebe, machte sofort ersichtlich, dass ich zuerst eine komplette Hingabe an Ihn brauchte. Danach brauchte ich jemanden, der mit mir diesen Weg laufen möchte. Ich habe eine geistliche Kollegin gefragt und wir haben angefangen uns täglich auszutauschen und füreinander zu beten.

Ich musste Demut und Ehrlichkeit erlernen.

So wurde ich plötzlich sehr dankbar für diese ruhige Zeit. Diese aussenordentliche Situation war genau das Beste für mich.

Keine Autos vor meinen Fenstern, kein Fluglärm über meinem Kopf.

Am Morgen höre ich bis die Sonne aufgeht, das Konzert des Vogels.

Meine nächste grösste Freude war, dass sich meine Arbeitsstunden reduzierten.

Ich mache die aktuelle Tätigkeit seit langer Zeit nicht mehr gerne. ich bin pflichtbewusst und so habe ich mich jeden Tag angestrengt, aber mein Herz blutete dabei.

Ich hatte jetzt jeden Morgen meine Tochter als Schülerin. Ich konnte sie wieder sehr viel für mich haben! Ich musste sie nicht mehr den Weg zur Schule hin und her fahren. Es war viel einfacher: vom Schlafzimmer ins Bad und vom Bad in die Küche. Dort findet der Unterricht statt.

Ich habe erstaunlicherweise Freude am Lehren erlebt. Ich dachte immer es sei nur langweilig und stressig. Aber es war das Gegenteil! Ich habe mich erfüllt und zufrieden gefühlt wie schon lange nicht mehr.

Gott hat mein Gebet erhört, so möchte ich denken, und in Zürich kam die totale Ausgangssperre nicht in Frage.

Das Bundesamt hat es nur als Empfehlung bekannt gegeben, aber wir dürften, auch bis jetzt, immer aus dem Haus. Ich habe mich so geliebt gefühlt! Wir als Familie haben diese Gelegenheit sehr oft genutzt und sind jeden Tag spazieren gegangen. Ich habe die Liebe für das Velofahren wiederentdeckt! Gott hat mich jeden Tag ermutigt und neue Freude geschenkt. Aber am meisten, wonach sich meine Seele sehnt: innere Freiheit!“


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