Soziale Kompetenz: Problemlösung

Veröffentlicht von Ich schreibe mich frei am

Wir können alle kognitiv nachvollziehen, dass es sich wirklich sehr lohnt, uns den eigenen Problemen frontal zu stellen, sie anzupacken und dabei über konstruktive Lösungen nachzudenken. Probleme zu verdrängen, seien es die eigenen oder die des Alltags, sie zu ignorieren oder kleinzureden bringt meist nicht viel, macht sie oft nur noch schlimmer und hartnäckiger.

Wir haben jedoch alle unsere Art und Weise, mit Problemen umzugehen. Wir greifen nahezu unbewusst auf persönlichen Strategien zurück, um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen, damit wir nicht allzu sehr leiden müssen, um den Schmerz in Anbetracht dieser vermeintlich zu lindern oder gar zu betäuben. Und diese ganz persönliche Art und Weise, mit Problemen umzugehen, ist ganz tief in ins eingegraben. Sich der eigenen Geschichte zu stellen, den eigenen Verletzungen mutig und offenherzig ins Angesicht zu sehen oder die eigenen Probleme bewusst wahrzunehmen, sie zu benennen, tut ja auch weh und benötigt unsere Entscheidung, dies entschieden zu tun.

Die lange Bank
Ich bin die allererste, die Probleme jeder Art auf die lange Bank legt.

Ich bin die allererste, die Probleme jeder Art auf die lange Bank legt. Ich bin geradezu eine Meisterin der Prokrastination, des endlosen Aufschiebens. Keiner kann beispielsweise Papers, die für die Uni zu schreiben sind, oder unangenehme aber notwendige Telefonate so lange hinhalten und hinausschieben wie ich. Und es macht mich unglücklich. Die Last der Probleme wird dadurch ganz gewiss nicht leichter. Im Gegenteil. Ich trage sie bewusst oder unbewusst mit, diese Last, und zwar ständig. Die Entscheidung zu treffen, jeden Tag ganz kleine Schritte zu tun, um die eigenen Probleme konstruktiv zu lösen, mich ihnen ganz bewusst zu stellen und sie konkret anzugehen, hat mir Mut und Kraft gekostet. Um ehrlich zu sein: Es brauchte Überwindung. Irgendwann musste ich einfach den ersten kleinen Schritt wagen. Und er war es wert. Es lohnt sich wirklich. Die Last wird allmählich leichter. Das Kleine-Schritte-Tun ist befreiend. Ich muss mich nicht mehr betäuben, verdrängen, davonlaufen oder hinausschieben bis zum letzten möglichen Zeitpunkt.

Ich kann mir auch immer mehr ins eigene Gesicht sehen und mich selbst achten. Ich erwarte kein Wunder. Es sind ganz kleine Schritte. Ganz reale Schritte, die Zeit brauchen. Und das ist normal. Leben braucht Zeit. Und jeden Rückfall in die mir so vertraute Prokrastination betrachte ich mittlerweile mit viel Humor. Ebenfalls erstaunlich finde ich, dass Menschen, die mich von außen betrachten, für sehr fleißig und erfolgreich halten. Da sieht man, dass der Blick, den andere von außen auf einen werfen, nicht immer stimmig sein muss. Wir alle haben unsere Baustellen. Ich die meinen und ich möchte sie gerne zu Ende bringen. Konstruktiv. Auch die persönlichen, existentiellen, die des inneren Menschen. Und mit Gott, der meine Geschichte kennt und weiß, warum ich so bin wie ich bin. Er kann meine Biographie lesen und wirklich verstehen. Er ist immer eine gute Adresse. Bei ihm kann ich mein Herz ausschütten, ohne verurteilt zu werden.  

Now - Later
Die Korona-Krise hilft mir, weil sie mir ungewollt Zeit verschafft.

Die Korona-Krise hilft mir, weil sie mir ungewollt Zeit verschafft, die ich sonst nicht hätte, mein Leben auszuloten, es einmal ehrlich und schonungslos zu reflektieren, ihm eine neue Richtung zu geben. Und das tut richtig gut.     


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